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Geschichte des Buchdrucks

Anfänge in Asien

Vermutlich gab es in China etwa ab dem Jahr 600 n. Chr. den sogenannten Holztafeldruck, bei dem ganze Texte in Holztafeln geschnitten und dann als Ganzes gedruckt wurden. Das Drucken mit einzelnen Lettern scheint es in China bereits im 11. Jahrhundert gegeben zu haben, es scheint sich aber nicht durchgesetzt zu haben.
 
In Korea scheint es ab 1232 den Druck mit einzelnen beweglichen Lettern gegeben zu haben.

Johannes Gutenberg

Johannes Gutenberg verbesserte die bis dahin erfolgten Erfindungen und fügte sie zu einem einheitlichen Arbeitsgang zusammen.

Anfänge

Johannes Gensfleisch, nach seiner Mutter genannt zu Gutenberg, hatte vermutlich mit seinen Eltern Anfang der 20er Jahre des 15. Jahrhunderts seine Vaterstadt Mainz wegen der zwischen Adligen und Bürgern ausgebrochenen Unruhen verlassen müssen. Er war in Straßburg geblieben. Bestimmtheit über seinen Aufenthalt gibt erst die durch ihn 1434 veranlasste Inhaftnahme des zufällig in Straßburg weilenden Mainzer Stadtschreibers. Sie erfolgte wegen einer ansehnlichen Zinsschuld, die der Magistrat von Mainz an Gudenberg oder Gutenberg, wie die neuhochdeutsche Schreibart lautet, sich zu zahlen weigerte. Als die Mainzer Behörde Zahlung versprach, ließ Gutenberg sofort den Stadtschreiber in Freiheit setzen. 1439 wurde ein größerer Prozess verhandelt, gegen ihn angestrengt von den Erben eines Andreas Dritzehn, mit dem er, wahrscheinlich um 1435, einen Kontrakt abgeschlossen hatte, um ihn und Andreas Heilmann das Steineschleifen zu lehren. Und da Gutenberg 1437 auch mit einem Hans Riffe zum Betrieb des Spiegelmachens für die Heiltumsfahrt nach Aachen in Geschäftsverbindung getreten war, so geht hieraus hervor, dass er besondere Neigung und Geschick in kunstindustriellen Berufszweigen besessen und darin einen bereits wohlbegründeten Ruf gehabt haben muss. Dass er sich damals schon mit der Idee seiner Erfindung der Buchdruckerkunst beschäftigt haben mag, scheint aus mehrfachen Aussagen der Zeugen in dem Prozess hervorzugehen. Die Erfindung der Drucklettern in derjenigen Form und Beschaffenheit, die allein ihre Zusammensetzung für den Druck ermöglichen, ferner die Erfindung einer entsprechenden Farbe für diesen Abdruck waren lange geplant. Es steht somit fast außer Zweifel, dass jene unklaren, wohl absichtlich verschleierten Aussagen in dem Dritzehnschen Prozess sich auf die ersten Anfänge der Buchdruckerkunst beziehen. Ob er sie jedoch wirklich dort ausübte, ist nicht sicher, obwohl der "Donatus"-Rest, der sich in der Nationalbibliothek zu Paris befindet als Straßburger Presserzeugnis Gutenbergs gilt .

Der Vertrag mit Fust

Durch Urkunden über seine Geldoperationen ist erwiesen, dass Gutenberg bis zum März 1444 in Straßburg gewesen ist. Von da ab bis 1448 fehlen jedoch alle Nachrichten. Die erste danach betrifft ein Darlehen, das er, nach Mainz zurückgekehrt, von einem Mainzer Verwandten, Arnold Gelthuß, empfangen hatte. Seine Mühen in Straßburg waren offenbar vergeblich gewesen, und mit dem Verlust des Vertrauens, das seine Freunde in ihn gesetzt hatten, waren auch Vermögen und Kredit verloren gegangen, so dass seine Rückkehr nach Mainz eher eine gezwungene als freiwillige gewesen sein mag. Hier hat er jedoch seine Versuche mit der Buchdruckerkunst sofort wieder aufgenommen. Dass sie schon weit gediehen sein mussten, beweist, dass es ihm sehr bald gelang, an dem reichen Mainzer Bürger Johann Fust eine Stütze zu finden. Er schloss mit diesem am 22. August 1450 einen Vertrag, wonach Fust Gutenberg ein Darlehen von 800 Gulden in Gold zu 6 Prozent Zinsen gab, dieser aber damit "das Werk vollbringen solle", während all sein Werkzeug dem Fust als Unterpfand dienen würde. Blieben sie nicht einig, so habe Gutenberg dem Fust die 800 Gulden wiederzugeben, sein Werkzeug aber sei dann hypothekenfrei. Außerdem sollte Fust jährlich 300 Gulden "für Kosten, Gesindelohn, Hauszins, Pergament, Papier, Tinte etc. zahlen. Dies war eine Bedingung, die von diesem niemals erfüllt worden ist. Gutenberg musste am 6. Dezember 1452 abermals 800 Gulden von Fust aufnehmen.

Erste Drucke Gutenbergs

Was Gutenberg inzwischen geschaffen hat, ist nicht genau festzustellen. Vermutlich beschäftigte er sich mit Herstellung der Typen zu der 36zeiligen Bibel. Diese sind beim Druck eines "Donats" benutzt worden, dessen erhaltener Rest die handschriftliche Jahreszahl 1451 trägt, sowie sie auch neben einer anderen kleineren Type zum Druck von Ablassbriefen, von denen noch eine ansehnliche Anzahl Exemplare erhalten sind, gedient haben. Dass diese nicht von Holztafeln gedruckt worden sein können, wird durch das Vorkommen eines umgekehrten Buchstabens in einem derselben unwiderleglich bewiesen.
 
Die Annahme, Gutenberg habe sich zuerst beweglicher Buchstaben aus Holz bedient, ist längst zurückgewiesen, weil deren Anwendung, ganz abgesehen von der ungeheuren und zeitraubenden Mühe des Schneidens jeder einzelnen der Tausenden von Typen technisch unmöglich gewesen sein würde. Wahrscheinlicher ist, dass er zuerst die Typenstempel aus Holz schnitt, sie in Sand abformte und danach goss. Bald aber wird er auch von diesem unzulänglichen und langsamen Verfahren abgegangen sein und seine Stempel in möglichst hartes Metall geschnitten haben, die er dann durch Einschlagen in ein weicheres in Formen oder Matrizen für den Guss der Typen umwandelte. Die Regelmäßigkeit und Gleichmäßigkeit der Lettern der 36zeiligen Bibel spricht dafür. Der Schriftguss ist somit nicht minder eine Erfindung Gutenbergs als die der Druckpresse, denn vor ihm hatten sich die Formschneider und Briefdrucker, wie schon erwähnt, zur Herstellung ihrer einseitigen Drucke wahrscheinlich ausnahmslos des Reibers bedient. Die 36zeilige Bibel ebenso wie die 42zeilige und der Psalter von 1457 sind so vollendete Druckleistungen und zeigen ein so genaues Passen der Seiten aufeinander (Register), dass ihre Herstellung nur auf einer Druckpresse erfolgt sein kann. Auch die Druckfarbe, die bei den Holztafeldrucken vor Gutenberg meist in mattem Erdbraun erscheint, ist von ihm seinen Zwecken angepasst und vervollkommnet worden, so dass man behaupten darf, das Verdienst der Erfindung der Buchdruckerkunst gebühre in ihrem vollen Umfang ganz allein Gutenberg. Was seine Gegner und Nachfolger dem entgegensetzten, ist durch die Tatsachen widerlegt und harrt jeglicher Beweise.

Verlust der Druckerei an Fust

Sein Erfolg aber beschleunigte sein Verderben. Bald nach der Vollendung der 36zeiligen Bibel, von der vermutlich nur eine geringe Auflage gedruckt worden war, wurde der Druck einer anderen, ebenfalls in lateinischer Sprache, aber mit kleineren Typen, der heute als 42zeiligen bezeichneten, begonnen. Sie war indes noch nicht vollendet, als Fust mit der Forderung, Gutenberg solle ihm alle geliehenen Kapitalien nebst Zinsen zurückzahlen, an diesen herantrat. Der Umstand, dass Fust recht wohl wissen musste, die Rückzahlung sei Gutenberg gerade jetzt am wenigsten möglich, sowie die ganze Fassung des Kontrakts und die zaudernde Erfüllung desselben durch Fust hat diesen in den nur zu begründeten Verdacht gebracht, er habe es von Anfang an darauf angelegt, den für seine Erfindung begeisterten, in Geldsachen jedoch unpraktischen Gutenberg und mit ihm auch dessen Erfindung selbst ganz in seine Hand zu bekommen. Das gelang ihm denn auch vollkommen, nachdem er sich nach der anderen Seite vorsichtig gedeckt und in Peter Schöffer einen Ersatz für die technische Weiterführung an Stelle Gutenbergs verschafft hatte. Schöffer, ein aus Gernsheim gebürtiger Schönschreiber, mag in Gutenbergs Druckerei vielleicht nur als Illuminator und Rubrikator der fertig gedruckten Bogen, um die großen Anfangsbuchstaben an den freigelassenen Stellen nachzutragen, beschäftigt worden sein, vielleicht war er auch als Typenzeichner oder Setzer tätig.
 
Als es Fust gelungen war, Gutenberg die Druckerei und alle fertigen Drucke aberkennen zu lassen, tritt Schöffer an dessen Stelle und wird schließlich Fusts Schwiegersohn. Im Oktober 1455 reichte Fust seine Klage, auf Rückzahlung von 2.026 Gulden einschließlich Zins und Zinseszins lautend (er gab vor, selbst einen Teil des Geldes "bei Christen und Juden" aufgenommen zu haben), ein. Am 6. November erfolgte im großen "Refender" der Franziskaner der Rechtsspruch, der Gutenberg zur Rechnungslegung und Zahlung verurteilte oder, wenn ihm letzteres nicht möglich, Fust in seine kontraktlichen Rechte einsetzte. Der unglückliche Erfinder mochte jetzt wohl zu spät die Perfidie seines Teilhabers durchschaut und diesem Mann gegenüber seine Rechte verloren gegeben haben, denn er war nicht selbst im Gerichtssaal erschienen, sondern hatte nur einen ihm befreundeten Pfarrer und zwei seiner Gesellen gesandt: "den Verlauf der Sache zu hören und zu sehen". Im Begriff, endlich die Früchte seiner jahrelangen Mühen einzuheimsen, wurden ihm diese auf eine zwar gesetzmäßige, aber sehr perfide und schmerzliche Weise entrissen.

Weiterarbeit

Gutenberg, obwohl fast 60 Jahre alt, blieb ungebrochenen Mutes, war ihm doch seine Erfindung gelungen. Dieser Umstand verschaffte ihm sehr bald anderweitige materielle Hilfe: Ein Konrad Humery, nach einigen Quellen ein Arzt, nach anderen "Pfaff und Jurist", wurde sein Geldgeber. Die Typen der 36zeiligen Bibel, wahrscheinlich nicht mit Fusts Geld geschaffen, scheinen in die neue Druckerei, die er jetzt gründete, mit hinüber genommen worden zu sein, und mit diesen oder gleichartigen druckte er zunächst kleinere undatierte Schriften, während er gleichzeitig an den Schnitt der kleineren Type ging, die zur Herstellung seines großen Werkes, des "Catholicon" ("Joannis de Janua summa quae vocatur Catholicon"), einer grammatisch-lexikalischen Kompilation, diente. Das Werk umfasst 748 Folioseiten zu 2 Spalten mit 66 Zeilen auf jeder derselben und trägt die Jahreszahl der Vollendung, 1460, aber nicht den Namen Gutenbergs, wie dieser überhaupt auf keinem seiner Drucke angetroffen wird, was sich nur durch die Annahme erklären lässt, dass entweder der Meister sich selbst genug war in seinem Schaffen und sein Erfolg ihm mehr galt als aller Beifall der Welt, oder - dass er sich nicht als Drucker öffentlich nennen durfte, wollte er sich nicht unbefriedigte Gläubiger aus früheren Perioden auf den Hals locken und seine Tätigkeit abermals ernstlich gefährden.

Lebensabend

Bei der Erstürmung von Mainz am 28. Oktober 1462 durch Adolf von Nassau, den Gegenbischof Diethers von Isenburg, zu dem die Mainzer standen, ging die Fust und Schöffersche Druckerei in Flammen auf. Ob Gutenberg danach noch fortgefahren hat, in Mainz zu drucken oder ob er schon vorher seine Druckerei nach Eltville im Rheingau verlegt hat, wo der Nassauer Hof hielt und wo sie dann seine Verwandten mütterlicherseits, Nikolaus und Heinrich Bechtermüntze, übernahmen, ist nicht historisch nachweisbar, ebenso wenig, was noch unter seiner eigenen Leitung gedruckt worden ist. Eine Anzahl kleiner Bücher wird ihm jedoch wahrscheinlich mit voller Berechtigung zugeschrieben.
 
Am 18. Januar 1465 trat Gutenberg in seinen Ruhestand. Kurfürst und Bischof Adolf von Nassau nahm ihn durch Dekret lebenslänglich als Hofdienstmann auf für den "angenehmen und willigen Dienst, den sein lieber getreuer Johannes Gutenberg ihm und seinem Stift geleistet". Gutenberg wurde hierdurch aller materiellen Sorgen für die Zukunft enthoben, genoss die ihm gewährte Ruhe indes nicht lange. In den letzten Tagen des Januars 1468 hat ihn der Tod abgerufen, wie aus dem erst 1876 wieder aufgefundenen Totenbuch des Dominikanerklosters zu Mainz, in dessen Kirche sich die Grabstätte des Geschlechts der Gensfleisch befand, hervorgeht. Das Grabmal selbst ist unentdeckt geblieben, da die Kirche 1793 bei der Beschießung von Mainz durch die Franzosen zerstört worden ist.

Nachfolger Gutenbergs

Die dem Humery verschrieben gewesene Druckerei Gutenbergs ging auf die Bechtermüntze über, von denen sie an die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens, die so genannten Kogelherren zu Mariathal in der Nähe Eltvilles kam, in deren Händen sie bis 1508 verblieb. In dem Jahr wurde sie von ihnen an Friedrich Hewmann, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz, verkauft.
 
Nachdem 1455 Fust die Druckerei Gutenbergs an sich gebracht hatte, nahm er Peter Schöffer zum Teilhaber, und 1457 brachten sie das noch heute als außerordentliche Druckleistung anzuerkennende und berühmte Psalterium zustande. Dies war zugleich das erste Druckwerk, das Drucker und Druckort namhaft machte und Jahr und Tag des Erscheinens genau anführt. Der Text ist mit einer großen Missaltype gedruckt und mit prächtigen Initialen in zwei Farben geziert. Die wenigen davon noch vorhandenen Exemplare gehören zu den größten typographischen Schätzen. Bereits am 29. August 1459 wurde eine zweite Auflage des Werkes vollendet. Schöffer veranstaltete 1490 eine dritte, 1502 eine vierte und sein Sohn Johann 1516 eine fünfte. Die späteren Ausgaben gleichen aber nicht an Vollendung der ersten, und dieser Umstand sowie der kurze Zeitraum, der zwischen der Veröffentlichung und dem erzwungenen Austritt Gutenbergs liegt, lässt schließen, dass der Erfinder selbst es war, der den Plan zu dem Psalter entwarf, die Vorarbeiten dazu ausführte und vielleicht einen Teil des Werkes auch selbst noch druckte. Auch Charakter und Schönheit der Schrift sprechen für Gutenbergs Urheberschaft. Von den großen, in zwei Farben gedruckten Initialen, deren exakte Herstellung oft die Bewunderung Gelehrter und Sachverständiger erregt hat, ist indes neuerdings mit ziemlicher Gewissheit nachgewiesen worden, dass sie nicht auf die inzwischen übliche Weise des gleichzeitigen Zweifarbendrucks erzeugt worden sind, sondern dass man die Farben auf die in Metall geschnittenen Typen mit dem Pinsel gemalt und sie dann gleichzeitig mit dem vorher eingeschwärzten Text zum Abdruck gebracht hat. Von Fust und Schöffers größeren Druckwerken sind noch zu erwähnen das am 6. Oktober 1459 beendigte "Rationale Durandi", die "Constitutiones Clementis", datiert vom 25. Juni 1460, und eine lateinische Bibel vom 14. August 1462, gedruckt mit der Texttype der "Constitutiones". Alle diese Typen sind aber in Schnitt und Guss nicht so vollkommen wie die von Gutenberg hergestellten Schriften. Von ihrer Tätigkeit nach der Erstürmung von Mainz ist aus den Jahren 1462-1464 wenig nachzuweisen, wenn auch aus der Anwendung der Bibeltype hervorgeht, dass die Druckerei bei dem Hausbrand nicht ganz zerstört worden sein kann. Erst die Jahre 1465 und 1466 bringen wieder größere Druckwerke: "Bonifacius VIII. liber sextus decretalium", "Cicero de officiis" und die "Grammatica vetus rhythmica". Fust aber war schon 1462 nach Paris gereist, um seine Bibeln dort zu verkaufen, hatte sehr zuvorkommende Aufnahme selbst beim König gefunden, dort ein Bücherlager angelegt und sich 1466 wieder dahin begeben, wo er wahrscheinlich im Spätsommer desselben Jahres an der Pest gestorben ist. Nach Fusts Tod blieb Schöffer an der Spitze der Druckerei und trat jetzt zum ersten Mal mit dem Anspruch auf Erfindung der Buchdruckerkunst in seinen Drucken auf, die erst durch seine Vervollkommnungen des Schriftgusses zur Vollendung gelangt sei. Seine Ansprüche zerfallen aber vor der kritisch-technischen Forschung, denn die von ihm geschnittenen und gegossenen Typen stehen an Zahl und Güte weit zurück hinter den Leistungen Gutenbergs.
 
Weiter noch als der Anfang 1503 gestorbene Peter Schöffer gingen dessen Nachkommen in der Verleugnung Gutenbergs. Sein Sohn Johann folgte ihm in der Leitung der Druckerei, und sein Name erscheint zum ersten Mal in der Schlussschrift des "Mercurius Trismegistus" vom 27. März 1503. Der zweite Sohn, Peter, verließ 1512 Mainz und wanderte mit einer Druckerei zunächst nach Worms und dann nach Straßburg, wo er 1532 als Drucker erscheint. Dessen Sohn Ivo wurde 1531 Nachfolger seines Onkels Johann zu Mainz und setzte das Geschäft bis 1552 fort. Mit seinem Tod starb die Fust-Schöffersche Druckerfamilie aus, und die Druckerei kam durch seine Witwe an Balthasar Lips. Warum des Mainzer Johann eigener Sohn Johann, der nach Herzogenbusch in Holland gezogen war (dort sich Jan Janszoon nennend), nicht zurückkehrte zur Übernahme der väterlichen Druckerei, ist nicht aufgeklärt. Dieser Mainzer Johann aber hat durch seine Lügen viel beigetragen zur Verwirrung der Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, denn während Peter Schöffer doch noch Gutenberg als ersten Erfinder nicht wegzuleugnen wagte, wenn auch sich selbst als Verbesserer und Vollender der Buchdruckerkunst aufspielend, sagte Johann Schöffer schon 1509, sein Großvater Johann Fust sei der Erfinder gewesen. Und 1515, in dem "Breviarium historiae Francorum", wiederholte er diese Aufstellung sehr weitläufig, dabei vergessend oder wähnend, die Welt habe es vergessen, dass er in seiner Dedikation der dem Kaiser Maximilian gewidmeten "Römischen Geschichte" des Livius seinen Schirmherrn gebeten hatte, "dieses Buch anzunehmen, das gedruckt worden sei zu Mainz, der Stadt, wo die wunderbare Kunst des Buchdrucks zuerst erfunden wurde von dem kunstreichen Johann Gutenberg im Jahr 1450".

Ausbreitung

In Deutschland besaßen vor 1462 außer Mainz allein Straßburg und Bamberg im oberdeutschen Sprachraum Buchdruckereien. Die nächste erhielt Köln durch Ulrich Zell, der sich vermutlich sofort nach der Erstürmung von Mainz dorthin gewandt und zu drucken begonnen hat, wenn auch der erste bekannte und datierte Druck Zells erst aus dem Jahr 1466 stammt. Köln wurde auch der Ausgangspunkt für die Verbreitung der Druckerei im niederdeutschen Sprachraum nach den Niederlanden und Norddeutschland. Eltville, das Gutenbergs Druckerei erhielt, gehörte zu Mainz und kann deshalb kaum als selbständiger Druckort genannt werden. 1468 aber druckte man zu Augsburg (Günther Zainer), Lübeck (Lucas Brandis) und Pilsen (in Böhmen). 1470 erhielt Nürnberg seinen Johann Sensenschmid, der anfänglich den Mainzer Heinrich Keffer zum Teilhaber hatte. Sensenschmid siedelte, wahrscheinlich um 1480, nach Bamberg über, wo nach Pfister bis dahin kein Drucker gewirkt zu haben scheint In Nürnberg aber druckten 1472-75 der Mathematiker Regiomontanus und 1473-1513 Anton Koberger oder Koburger, der nach der großen Ausdehnung seines Geschäfts und der Trefflichkeit seiner Arbeiten "der König der Buchdrucker" genannt wurde.
 
Druckereien erschienen ferner: 1471 zu Speyer, 1473 zu Eßlingen, Laugingen, Merseburg und Ulm, 1475 zu Blaubeuren, Breslau, Burgdorf, Lübeck und Trient, 1476 zu Rostock (Johann Snell), 1478 zu Eichstätt und Prag, 1479 zu Würzburg, wohin der Bischof Rudolf II. von Scherenberg den Eichstätter Buchdrucker Georg Reyser berufen hatte, dessen erstes dort gedrucktes Werk, das "Breviarium Dioc. Herbipolensis", auch das erste durch einen Kupferstich illustrierte Werk in Deutschland war. Leipzig erhielt erst 1481 seine erste Druckerei durch Andreas Friesner, ehemals Teilhaber und Korrektor Sensenschmids zu Nürnberg. Wiens erste Drucke tragen das Datum 1482, indes ohne Namen des Druckers; als erster gilt Johann Winterburger aus Winterburg bei Kreuznach. Im gleichen Jahr druckte in München zuerst Johann Schauer; auch in Erfurt und Passau hielt 1482 die Druckerpresse ihren Einzug, ein Jahr darauf in Magdeburg, 1485 in Heidelberg und Regensburg, 1486 in Stuttgart, Münster, Brünn und Schleswig, 1491 in Hamburg. Obwohl eine Anzahl größerer deutscher Städte, in denen die Buchdruckerkunst später zu hervorragender Entwicklung gelangte (Frankfurt am Main, Wittenberg, Dresden, Berlin u.a..), erst mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts Druckereien erhielten, waren am Schluss des 15. Jahrhunderts Gutenbergs Erfindung und ihre Erzeugnisse doch schon überall bekannt und durch das ganze Deutsche Reich verbreitet.